Deutsch

Calcium

Calcium ist nicht gleich Calcium

Die vielen Pflanzenarten selbst haben einen sehr unterschiedlichen Bedarf an Calcium. Dies hat damit zu tun, dass Calcium allgemein betrachtet für die strukturelle und physiologische Stabilität der Pflanze verantwortlich ist. Bei der einen Pflanze mehr, bei der anderen weniger.

Calcium ist schon seit dem 18. Jahrhundert ein sogenannter essenzieller Nährstoff. Bis heute wird immer noch geforscht. Dies zeigen die mittlerweile weiteren auf den Markt kommenden Ca-Verbindungen. Calciumchlorid, Calciumsulfat und Calciumnitrat sind die gängigsten löslichen Düngeformen, neben der Kalkung der landwirtschaftlichen Flächen zur Pufferung des Boden-pH-Wertes, um wiederum weitere essentielle Makro- und Mikronährstoffe für die Pflanze verfügbar zu machen.

Neu sind schon seit längerem Calciumformiat und Calciumcarboxylat. Zusätzlich gibt es noch chelatisiertes Calcium.

Calciumchlorid, Calciumnitrat und Calciumsulfat

Calciumchlorid,

ist ein sehr hygroskopisches Salz, wird sehr gut von Blättern und Früchten aufgenommen und ist damit eine der besten Calciumquellen insbesondere für Früchte. Doch durch die hohe Ionenkonzentration auf der Oberfläche sind jedoch physiologische Schäden nicht ausgeschlossen, ebenso Wuchsdepressionen durch den Entzug von Wasser, das zur Verflüssigung des Salzes erforderlich ist. Im schlimmsten Fall kommt es „Verbrennungserscheinungen“, die nach einer Behandlung unter ungünstigen Umständen die gesamte Pflanze betreffen kann.

Calciumnitrat,

ist weniger hygroskopisch und dadurch blatt- und fruchtschonender Es wird dadurch auch schlechter aufgenommen und die Wirksamkeit als Calciumquelle ist entsprechend geringer. Da der Calciumanteil gegenüber dem Stickstoffanteil in Calciumnitrat geringer ausfällt, wird mit jeder Calciumnitratanwendung zwangläufig auch der Nitrat-Gehalt der Pflanze gesteigert und dies hat nicht nur Vorteile, besonders für die Früchte. Hohe Nitratwerte machen Pflanzen z.B. anfälliger gegenüber Pilzkrankheiten (das Verhältnis N:Ca steigt) und attraktiver für saugende Insekten.

Calciumsulfat,

ist noch weniger hygroskopisch und damit auch weniger löslich als Calciumchlorid und Calciumnitrat. Problematisch bei Calciumsulfat ist das Sulfat-Anion, denn dieses kann die Pflanze nicht verstoffwechseln, das bedeutet, dass es damit auch keine Möglichkeit einer Schwefeldüngung gibt. Das Sulfatanion muss also irgendwo in der Pflanze zwischengespeichert oder über das Phloem zur Wurzel gebracht, um dort in den Boden abgegeben zu werden, was auch für das Chlorid-Anion aus dem Calciumchlorid zutrifft. Diese Verlagerung kann dann zu „Versalzungen“ des Bodens im Wurzelraum führen, was in Südtirol und dem Alten Land schon nachgewiesen wurde.

Alle dieses Salze werden durch Diffusion, also über einen passiven Mechanismus in die Pflanzenzellen transportiert und sie müssen mit viel Energie durch die Pflanze aufgespalten werden. Weiterhin ist all diesen Calciumquellen ist eines gemeinsam, je höher die Aufwandmenge, desto höher auch die Möglichkeit der Schädigung von Blatt und/oder Frucht. Wobei Calciumchlorid aufgrund seiner sehr hohen Hygroskopie am schädlichsten sein kann.

Calciumformiat

Calciumformiat,

ist das Calcium-Salz der Ameisensäure, ist die interessanteste Alternative zu den bisher verwendeten Calcium-Blattdüngern. Es wird als gereinigtes, getrocknetes Pulver u.a. im bautechnischen Bereich, sowie als bewährtes Konservierungsmittel (E 238) für Futter- und Lebensmittel eingesetzt.

Im Gegensatz zu Calciumchlorid, Calciumsulfat und Calciumnitrat werden Calciumionen aus Calciumformiat durch aktive Transportmechanismen in die Zellen aufgenommen. Nach Auflösung des Calciumformiates dringen die Formiat-Anionen zuerst in die Zellen ein. Sie werden in CO2+ und H+-Ionen aufgespalten, diese wiederum senken den intrazellulären pH-Wert. Um Schäden abzuwenden, wird der pH-Wert durch den Austausch von intrazellulären H+-Ionen durch extrazelluläre Ca2+-Ionen nachreguliert.

Damit ist eine geregelte Aufnahme von Calcium in die Zellen sichergestellt.

Calciumformiat allein angewendet, wird von den Früchten so gut wie nicht aufgenommen, da es nur zu 16% löslich ist. Als Formulierung mit einer fast 100%-igen Löslichkeit im Calciumblattdünger Folano Ca29 der Lanxess DeutschlandGmbH  ist es jedoch sehr gut wirksam.

Um den Calciumgehalt von Früchten, besonders von Äpfeln, effektiv durch Blattdüngung zu steigern, sind pro Anwendung 1450 g Calcium/ha erforderlich. Mit den bisher zur Ca-Blattdüngung verwendeten Verbindungen Calciumchlorid, Calciumsulfat und Calciumnitrat können diese Empfehlung aus phytotoxischen Gründen kaum eingehalten.

Folano Ca29 = 40,6% CaO = 29% Ca = 290g Ca/kg Folano Ca29 = 1450g Ca/ha bei 5kg/ha Folano Ca29

Calciumcarboxylat

ist weniger ein Salz, eher zu vergleichen mit einem Chelat. Carboxylate sind eine Komplex aus Nährstoff und Carbonsäuren, welcher als Düngeform besonders effektiv, wenn die Carbonsäuren in kurzkettiger Form vorhanden sind. Sie bilden mit den Nährstoffen eine Komplex, sind sehr gut löslich und sehr pflanzenverträglich. Ähnlich zu den Chelaten (wie z.B. EDTA) fördern sie die Aufnahme des Nährstoffes, werden aber im Gegensatz zu den Chelaten in die Pflanze „eingebaut“. Carboxylate greifen in den Stoffwechsel ein und haben eine reduzierende Wirkung gegenüber abiotischem Stress. In Kombination mit den Nährstoffen wirken sich Carboxylate positiv auf das Wachstum und die Fruchtentwicklung aus.